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Technische Schulden

Die heutige Software-Branche ist extrem schnelllebig. Neue Programme und Apps werden regelrecht im Akkordtempo auf den Markt geworfen. Hinzu kommt der ewige Preiskampf, gegen den es sich zu behaupten gilt. Die Auswirkung für den Programmierer ist ein extremer Zeit- und Ergebnisdruck. Das führt oft zu schnellen, teils unsauberen Softwareentwicklungen und schlimmstenfalls zur Missachtung ganzer Projektentwürfe.

Diese Summe an Faktoren begünstigt die Entstehung technischer Schulden. Diese werden noch verstärkt durch den Umstand, dass regelmäßige Refactorings oder die Softwaredokumentation oft völlig vernachlässigt werden.

Spätestens beim ersten, zweiten oder dritten Update führen diese scheinbaren Unwichtigkeiten zum bösen Erwachen. Insbesondere dann, wenn es sich um modulare Software handelt, die in einem Konglomerat anderer Programme arbeiten soll. Werden keine Maßnahmen unternommen, um die technischen Schulden auf ein Minimum zu reduzieren, ist eine Erosion der Software-Architektur früher oder später vorprogrammiert.

Was sind technische Schulden?

Technische Schulden sind anfangs nur kleine Ungereimtheiten bzw. Unachtsamkeiten in der Programmierung, die nicht selten nur minimal vom Standard abweichen. Auf den ersten Blick völlig unproblematisch, entpuppen sie sich bei einer Weiterentwicklung der Software als hinderliche Abweichungen, die mühsam ausgeglichen werden müssen. Dadurch steigen der Zeit- und Kostenaufwand und die sowieso schon zunehmende Komplexität der Software-Architektur. Je komplexer die Software-Architektur, desto komplexer die Wartung – ein Teufelskreis.

Bei einer nicht vorhandenen oder mangelhaften Dokumentation ist der Programmierer gezwungen, ebenfalls vom Standard abzuweichen, wenn erste Ungereimtheiten auftauchen. Auch hier gilt, dass jede Weiterentwicklung die Software-Architektur unnötig aufbläst. Wer nicht von Anfang an darauf achtet, möglichst wenige technische Schulden anzuhäufen, muss damit rechnen, dass sich die Wartbarkeit der Software maßgeblich verschlechtert und die Kosten für die Weiterentwicklung rasant ansteigen.

Alles in allem ist die Anhäufung technischer Schulden eine tickende Zeitbombe. Eine Softwarearchitektur soll langlebig sein, leicht zu warten und über fachliche Flexibilität verfügen. Ein Flickenwerk fliegt dem Programmierer oder dem Kunden früher oder später um die Ohren. So hat zum Beispiel das Softwareupdate eines simplen Bürodruckers das komplette Netzwerk der New Yorker Börse für einen halben Tag ausgeknockt.

Technische Schulden aus kaufmännischer Sicht

Aus kaufmännischer Sicht werden technische Schulden häufig falsch bewertet. Im Moment herrscht der Glaube, je teurer die Entwicklung bzw. Weiterentwicklung der Software, desto wertvoller ist diese. Das ist eine völlig falsche Annahme! Software wird in der Regel angeschafft, um Geschäftsprozesse zu beschleunigen. Es nutzt niemandem, wenn der dadurch eingesparte Zeit- und Kostenaufwand in die Wartung und Weiterentwicklung der Software investiert werden muss.

Je länger technische Schulden ignoriert werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Schulden überhandnehmen und der Geschäftsprozess – wie bei der New Yorker Börse – irgendwann komplett zum Erliegen kommt. Hätten die Programmierer an der New Yorker Börse vorher auf ihre technischen Schulden reagiert, hätten sie den Systemausfall und die damit verbundenen enormen Kosten verhindern können.

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